Aktuelles

„Streiken gegen den Krieg“. Gedenken an die Bremer Räterepublik

Es sprach Joachim Bigus (Osnabrück), IG-Metall-Vertrauenskörperleiter
Auf dem Waller Friedhof in Bremen fand wie jedes Jahr eine Gedenkfeier zur Erinnerung an die Bremer Räterepublik statt. Nach der Kranzniederlegung vor dem Denkmal für die Opfer begrüßte Raimund Gäbelein, Vorsitzender von VVN-BdA in Bremen, die Anwesenden, unter ihnen Doris Achelwilm, Mitglied des Bundestages der Partei Die Linke. Eine Gruppe des Buchtstraßenchors und das Rote Krokodil sangen Lieder der Arbeiterbewegung.

Die Rede hielt Joachim Bigus (Osnabrück), IG-Metall-Vertrauenskörperleiter. Er sprach zu den Massenstreiks während des Ersten Weltkrieges, die schließlich auch zur Räterepublik führten. Nach dem Einknicken der SPD 1914 vor dem Nationalismus mit ihrer Zustimmung zu den Kriegskrediten, entwickelten sich dann während des Krieges drei Gruppen gegen den Krieg, eine erste, die mit Flugblättern und Ähnlichem protestierte, zu der Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Hugo Haase gehörten, eine zweite pazifistisch orientierte und eine dritte, die aus den Gewerkschaftskreisen kam. In dieser spielte Richard Müller vom Deutschen Metallarbeiterverband, Mitbegründer der revolutionären Obleute, eine große Rolle. 1916 gab es in Deutschland erste Kundgebungen gegen den Krieg, auch in Bremen. Die Verhaftung Liebknechts im Juni des Jahres führte zu einem Generalstreik, an dem sich 55.000 in Berlin und dazu 10.000 woanders beteiligten, auch auf der AG Weser in Bremen. Mit diesen Streiks wurde außerdem höherer Lohn gefordert. Im April 1917 fand ein izweiter Massenstreik statt, genannt der „Brotstreik“. Es wurde eine bessere Versorgung und Frieden verlangt. In dieser Zeit fanden an der Ostfront bereits Verbrüderungen zwischen russischen und deutschen Soldaten statt.
Nachdem es am 15. Dezember 1917 auf Initiative der Bolschewiki an der gesamten Ostfront zu einem Waffenstillstand gekommen war, streikten am 28. Januar 1918 allein in Berlin 400.000 Arbeiter für das Ende des Krieges. Insgesamt streikten in Deutschland über eine Million Menschen, teilweise eine ganze Woche lang.

Zu Bedenken ist an dieser Streikentwicklung – so Joachim Bigus -, dass nicht ethische Motive dazu führten, sondern das „Lebensinteresse“ der Menschen. Und wichtig war, dass die Basis durch eigenes Handeln am Widerstand gegen den Krieg stark beteiligt war. Diese Erfahrungen damals sind heute zu bedenken, um Massen für den Frieden zu gewinnen. Die von der Bundesregierung angestrebte Erhöhung der Rüstungskosten auf zwei Prozent des Bruttosozialprodukts würden für die Mehrheit der Bevölkerung Einschränkungen bedeuten.

Zum Schluss wurde das Lied „Brüder zur Sonne, zur Freiheit“ gesungen.
Erstellt am: 07.02.2018
Bilder:
19:24:52
Newsletter
Soziale Netzwerke