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Merkel droht Russland

Leserbrief zum Artikel „Merkel droht Russland“ im WK vom 14. März 2014

Wie stets, wenn der Westen von Demokratie und Menschenrechten redet, geht es ihm um handfeste ökonomische, politische und geostrategische Interessen.
Das war bei dem NATO-Bombardement auf dem Balkan, in Afghanistan, im Irakkrieg und in Nordafrika so und ist jetzt in der Ukraine nicht anders.
Die Ukraine soll an EU und NATO angeschlossen werden, um den eigenen Machtbereich auszudehnen und Russland zu schwächen. Denn Russland unterwirft sich - zumindest bisher – nicht vollständig dem globalen Hegemonieanspruch der USA und ihrer Verbündeten.

Wenn dem Westen wirklich an einer friedlichen Lösung in der Ukraine gelegen wäre, hätte er das längst beweisen können. So hatte er zum Beispiel zugesichert, die Opposition dazu zu bewegen, den zwischen Steinmeier, Fabius u.a. im Februar mit dem damaligen Präsidenten Janukowitsch vereinbarten Kompromiss (Übergangsregierung unter Beteiligung der Opposition, Entlassung inhaftierter Demonstranten, vorgezogene Wahlen usw.) zu respektieren. Dazu hätten Obama, Merkel und Hollande zweifellos die Macht gehabt, hing doch die ukrainische Opposition von Anfang an ihrem Tropf. Statt aber ihren Einfluss mäßigend geltend zu machen, haben die EU- und NATO-Akteure unmittelbar nach dem Kompromiss dem Sturz Janukowitschs seelenruhig zugesehen, weil ihnen das gut in den Kram passte.

Genau wie damals, als Gorbatschow anlässlich des Rückzugs der sowjetischen Truppen aus der DDR zugesichert wurde, die NATO nicht nach Osten auszudehnen, hat der Westen jetzt in der Ukraine erneut sein Wort gebrochen. Welchen einigermaßen rational denkenden Menschen wundert es da noch, dass Russland schon aus Gründen der Selbsterhaltung verhindern will, demnächst vielleicht sogar auf der Krim einen NATO-Stützpunkt vor die Nase gesetzt zu bekommen. Und wenn sich die westlichen Politiker sonst immer so vollmundig als Verfechter von Selbstbestimmung und Minderheitsrechten aufspielen, warum soll das auf einmal nicht auch für die Krim gelten? Abgesehen davon ist die aktuelle Stimmungsmache gegen Russland und seine Regierung in den meisten deutschen Medien beschämend, wenn man sich vor Augen führt, was Deutschland während des 2. Weltkrieges dem russischen Volk angetan hat.

Prof. Dr. Lothar Peter
(Richard-Dehmel-Str. 9
28211 Bremen
Tel. 0421-22 38 643)
Erstellt am: 21.03.2014
23:37:13
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