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Jörg Kronauer

Hungersnot und Peitsche – Die Ausbeutung des globalen Südens


Jörg Kronauer zu Gast beim Bremer Friedensforum

Jörg Kronauer (London) füllte nicht nur den Raum in der Villa Ichon in Bremen, sondern auch die Zuhörer*innen mit vielen Informationen über die Ausbeutung des globalen Südens. Er begann seine Ausführungen mit der Schilderung der Auswirkungen der westlichen Sanktionen gegen Russland und andere Länder. Sie Schaden weniger oder gar nicht den sanktionierten Ländern, sondern westlichen Staaten wie Deutschland oder Staaten im Süden der Halbkugel. So zum Beispiel wurden in Ecuador etwa 5000 Menschen arbeitslos, da dieses Land seine Bananen nicht mehr nach Russland exportieren kann, da durch die Sanktionen Transportwege und Zahlungsverkehr verhindert werden. So konnte auch die Ukraine sein Getreide nicht exportieren, da Sanktionen gegen Belarus den Transport durch dieses Land unmöglich macht. Der Vorschlag der UNO, diese Sanktion auszusetzen, wurde von der EU abgelehnt. Die Sanktion gegen den Import von russischem Gas sorgte dafür, dass der Preis für Gas um das Dreifache stieg. Da die deutsche Regierung versuchte, diesen Rohstoff durch Import bei anderen Ländern auszugleichen, zahlte sie höhere Preise und kaufte alles weg. So entstand Schaden für Länder in Südasien, z.B. Bangladesch, die nicht genug Gas erhielten, sodass die Produktion in Industrieanlagen zurückgefahren werden muss und Schulunterricht ausfällt, da Energie für die Klimaanlagen fehlt. Da Deutschland die deutsch-russische Firma Gazprom kassierte und liquidierte, fiel auch die Filiale der Firma in Singapur aus, die bis dahin Indien mit russischem Gas beliefert hatte. Indien klagt deswegen. Russland schadete das alles nicht, sondern es erhöhte sogar seinen Export.

Das in Europa hergestellte und billig nach Afrika exportierte Milchpulver zerstört dort die Landwirtschaft. Die in Nigeria ausgebildeten Ärzte werden von Deutschland abgeworben, sodass sie dort fehlen, ebenso 1100 Krankenpfleger*innen und Hebammen. Genauso geschieht es mit Krankenpflegekräfte aus den Philippinen, die sich in Deutschland sehr unwohl fühlen.

Aber es gibt global auch positive Entwicklungen: seit etwa 2000 steigen die Länder des globalen Südens auf und ihr Niveau nähert sich langsam etwas dem der Länder des Westens an. Der globale Süden kann von den USA nicht mehr unter Kontrolle gehalten werden. In den USA wurde das mit „Meuterei“ bezeichnet. Aber auch die frankophonen Länder Afrikas wenden sich mehr und mehr von ihrer ehemaligen Kolonialmacht ab. Die 15 Jahre alte Staatengemeinschaft BRIGS ist ein Versuch, die dominante Rolle des Westens zu brechen.
Barbara Heller vom Sprecherkreis des Bremer Friedensforum leitete ein und moderierte.

Text und Fotos: Hartmut Drewes
Erstellt am: 21.01.2024
Bilder:
10:48:20
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