Gräberfeld

Pressemitteilung vom 24. November 2022


Das Ende der Grabungen an der Reitbrake - Antworten und jede Menge offene Fragen

Die Grabungen auf dem ehemaligen sogenannten Russenfriedhof an der Reitbrake sind seit kurzem offiziell abgeschlossen und ein erster Bericht der Bremer Landesarchäologie liegt vor (siehe hier: https://t1p.de/fu19m). In diesem Zusammenhang erklären Olaf Zimmer, Bürgerschaftsabgeordneter der Bremer Linksfraktion und Cornelia Barth, Koordinatorin der AG Frieden und Antimilitarismus in der Partei DIE LINKE Bremen:

Angesichts der ebenfalls vorliegenden dezidierten Ausführungen der Bürgerinitiative Oslebshausen und des Bremer Friedensforums können wir nur feststellen, dass viele Fragen unbearbeitet geblieben und damit ungeklärt sind. So bleibt weiterhin vollkommen unplausibel, wie 1948 446 Leichname exhumiert und zum Osterholzer Friedhof umgebettet worden sein sollen, wenn der "Russenfriedhof" nur 282 Gräber aufgewiesen haben soll. Darauf verweisen auch die Bürgerinitiative und das Bremer Friedensforum in einer Stellungnahme: "Wir wissen aus den Quellen, dass mindestens 371 sowjetische Kriegsgefangene bis Dezember 1941 umkamen und dort bestattet wurden. Weiterhin haben wir bereits in unserem offenen Brief dargestellt, dass die Zahl von mindestens 800 bis 820 Toten nachgewiesen werden kann. Die Landesarchäologie bleibt die Antwort schuldig, wo diese Leichname geblieben sind. Damit würde nach 1948 und 1992 das Schicksal von 300 Toten erneut nicht aufgeklärt werden. Wir bitten die Abgeordneten der Bremischen Bürgerschaft, dafür Sorge zu tragen, dass der Bremer Senat endlich den Sachverhalt um den sogenannten "Russenfriedhof" aufklärt. Für uns ist völkerrechtlich eindeutig: Es handelt sich weiterhin um eine Kriegsgräberstätte." Weitere umfangreiche Informationen finden sich u.a. auf der Seite des Bremer Friedensforums: https://www.bremerfriedensforum.de/graeberfeld/

Wir danken an dieser Stelle den unermüdlichen Akteuren der beteiligten Organisationen sowie deren Sprechern Dieter Winge und Ekkehard Lentz für ihre ehrenamtlich geleistete Recherche- und Aufklärungsarbeit und die Bewertung der Ergebnisse. Ohne ihre Aufmerksamkeit und Beharrlichkeit hätte es gar keine Grabungen gegeben.

Umso mehr sind wir erstaunt, dass

  • kurz nach einem nicht erwarteten großen Fund die Grabungen beendet werden,

  • nicht außerhalb der vorab festgelegten Begrenzung gegraben wird,

  • der Verbleib vieler weiterer dort vermutlich bestatteter Leichen nicht geklärt ist,

  • die beiden Organisationen nicht alle gewünschten Auskünfte erhalten.


Die Partei DIE LINKE. hat zu dieser Thematik in der Vergangenheit klare Beschlüsse gefasst und wir erwarten, dass diese eine entsprechende Berücksichtigung im parlamentarischen Betrieb und in den anstehenden Entscheidungen finden.

Olaf Zimmer: "Bevor konkrete Planungen über die zukünftige Nutzung des Geländes auf dem sogenannten Russenfriedhof angedacht und durchgespielt werden, ist die Einsetzung einer unabhängigen Expert:innenkomission von Historiker:innen, Völkerrechtler:innen und Ethiker:innen notwendig, um dem Bremer Senat Empfehlungen für die weitere Nutzung des Grundstücks zu geben. Es darf hier keine intransparenten Vorabgespräche und Vorabsprachen zwischen Senat und Investor geben."

"Eine Beendigung der Grabungen auf dem Gelände zu diesem Zeitpunkt erscheint mir nicht sinnvoll", ergänzt Cornelia Barth. "Ich hätte gerade nach den unerwarteten Funden von vollständigen Skeletten eine Ausweitung der Grabungsfläche und dementsprechend eine zeitliche Verlängerung erwartet. Meines Erachtens ist davon auszugehen, dass dort weitere Tote ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Selbst wenn sich diese inzwischen aufgelöst haben sollten, ist die geplante gewerbliche Bebauung des Geländes unhaltbar."

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