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Moshe Zuckermann

Nahost-Wochenende vor Pfingsten in Bremen

Vortrag von Moshe Zuckermann (Israel) und Palästina-Aktion vor dem Dom

Der 70. Jahrestag der Gründung des Staates Israel 1948 und der damit verbundenen Vertreibung hunderttausender Palästinenser aus ihrer Heimat (Nakba) führte jetzt in den palästinensischen Gebieten an der Grenze Israels zu Demonstrationen. Über hundert Palästinenser wurden durch israelische Scharfschützen umgebracht, mehrere tausend verletzt.
Dieses unverhältnismäßige Vorgehen des Militärs rief weltweit Proteste hervor. Der Referent Moshe Zuckermann, israelischer Hochschullehrer für Soziologie und Geschichte in Tel Aviv, sprach in seinem Vortrag über Antisemitismus von „Massaker“ und „Abschlachten“.

In der Veranstaltung im überfüllten Vortragssaal des Überseemuseums schilderte Zuckermann anschaulich die Entstehung des Zionismus durch den Antisemitismus im 19. Jahrhundert. Dieser Zionismus hat den Staat Israel geprägt. Das bedeutet aber nicht, dass alle Juden Zionisten sind. So sind zum Beispiel orthodoxe Juden Antizionisten, da sie einen Staat Israel ablehnen, solange der erwartete Messias nicht erschienen ist. Der zionistische Staat aber pflegt seine Kritiker oft als „Antisemiten“ zu diskreditieren. Zuckermann sagte weiter, dass es Nichtjuden gäbe, die aber Zionisten seien. Sie rechtfertigen beispielsweise die über 50jährige Besatzung palästinensischer Gebiete wie auch die Blockade des Gazastreifens durch israelisches Militär. Der Zionismus aber – so Zuckermann – ist eine historische Sackgasse, die nicht zur Lösung dieses Nahostproblems führen wird. Eine Zweistaatenlösung sieht er als aussichtslos an. So bleibt in seinen Augen nur die Möglichkeit eines Staates, entweder als ein binationaler Staat, in dem Juden und Palästinenser gleichberechtigt leben, oder als ein jüdischer Apartheidstaat.

Am Morgen danach demonstrierten etwa 200 Palästinenserinnen und Palästinenser gemeinsam mit Bremerinnen und Bremern vor dem Dom aus Anlass der mörderischen Ereignisse an der palästinensisch-israelischen Grenze für die Freiheit Palästinas und brachten auf ihren Transparenten ihren Protest zum Ausdruck, u. a. auch gegen die deutschen Waffenlieferungen. Einige hielten auch übergroße Schlüssel in der Hand, Symbole für Haus und Land, was sie bei der Vertreibung zurücklassen mussten. Zum Schluss tanzten einige von ihnen zu Trommelklängen einen palästinensischen Volkstanz.








Bericht und Fotos: Hartmut Drewes, Bremer Friedensforum
Erstellt am: 22.05.2018
Bilder:
12:57:20
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