Reden auf dem Ostermarsch 2026 Bremen (II): Christoph Butterwegge, Luis Babin, Sedat Sevimli und Rodolfo Bohnenberger

Foto: GeMaVo

 Butter statt Kanonen: Rüstung und Militär dürfen den Sozialstaat nicht zerstören!

Es freut mich ungemein, nach über 40 Jahren wieder auf einer Kundgebung in Bremen zu sprechen – in den frühen 1980er-Jahren war das Teil meiner Funktion als einer der Sprecher des hiesigen Friedensforums. Zuerst schildere ich, was mich damals zu meinem friedenspolitischen Engagement veranlasst hat. Die autobiografischen Reminiszenzen verbinde ich mit kritischen Reflexionen bezüglich aktueller und künftiger Entwicklungen: Krisen, Kriege und Feindbild(re)konstruktionen liefern dafür ja genug Stoff. Überwiegend fragwürdige Parallelen gibt es wahrlich zuhauf.

„Nachrüstung“, Atomkriegsgefahr und Friedensbewegung

Um bei dem Hochschullehrer und späteren SPD-Landesvorsitzenden Detlev Albers zu promovieren, zog ich gegen Ende der 1970er-Jahre nach Bremen, wo ich am 6. Mai 1980 auch zum ersten Mal an einer Friedensdemonstration teilnahm. Damals fand ein Rekrutengelöbnis im Bremer Weserstadion statt, mit dem die Bundeswehr stärker im öffentlichen Raum verankert werden sollte. Aufgrund der gewalttätigen Auseinandersetzungen von wenigen Linksautonomen mit den Ordnungskräften ging es anschließend in den Massenmedien und den Parlamenten nicht mehr um die Protestinhalte von 10.000 friedlich Demonstrierenden, sondern nur noch um die verletzten Polizisten und deren beschädigte oder zerstörte Dienstfahrzeuge.

Heute wird bei uns nach angelsächsischem Vorbild ein Veteranentag gefeiert und die Gesellschaft auf der Grundlage des teilweise geheimen „Operationsplans Deutschland“ der Bundeswehr weiter militarisiert – Boris Pistorius würde sagen: „kriegstüchtig gemacht“ –, ohne dass sich hiergegen massiver Widerstand regt. Bedenken sollte man vor diesem Hintergrund, dass Deutschland bisher immer, kaum dass es kriegstüchtig war, einen Weltkrieg auslöste. Hinterher könnten die Bürger „Schlafwandler“ genannt werden, falls dies überhaupt noch möglich wäre.

Je näher die Stationierung von US-amerikanischen Mittelstreckenraketen (Pershing II) und Marschflugkörpern (Cruise Missiles) in der Bundesrepublik zu Beginn der 1980er-Jahre rückte, umso mehr wuchs die Friedensbewegung. Zusammen mit Hunderttausenden demonstrierte ich zweimal auf der Bonner Hofgartenwiese gegen die „Nachrüstung“ und blockierte an der Seite des damaligen stellvertretenden Vorsitzenden der Jungsozialisten Olaf Scholz gewaltfrei US-amerikanische Kasernen in der Bundesrepublik.

Scholz schrieb gemeinsam mit zwei anderen Funktionären der sozialdemokratischen Jugendorganisation in einem Beitrag für einen Sammelband zur Neuausrichtung der Friedensbewegung nach dem heftig umstrittenen Stationierungsbeschluss des Bundestages vom 22. November 1983: „Für die Jungsozialisten war und ist der US-Imperialismus die Hauptgefahr für den Weltfrieden.“ In dem Buch „Sozialdemokratie, Krieg und Frieden“ dokumentierte ich damals die Warnung eines anderen späteren Bundeskanzlers. Helmut Schmidt hatte in seinem 1961 erschienenen Buch „Verteidigung oder Vergeltung“ mit einer geradezu klassischen Formulierung dargelegt, was auch die jüngste US-Aufrüstungsinitiative für Deutschland so extrem gefährlich macht: „Landgestützte Raketen gehören nach Alaska, Labrador, Grönland oder in die Wüsten Libyens oder Vorderasiens, keineswegs aber in dichtbesiedelte Gebiete; sie sind Anziehungspunkte für die nuklearen Raketen des Gegners. Alles was Feuer auf sich zieht, ist für Staaten mit hoher Bevölkerungsdichte oder kleiner Fläche unerwünscht.“ Militärtechnisch betrachtet sind Raketen tatsächlich Magneten, die Gegenreaktionen herausfordern und die Kriegsgefahr nicht bloß aufgrund geringer Vorwarnzeiten drastisch erhöhen.

Von der Abschreckungsideologie zur Erstschlagsstrategie?

Wer sich als Mitglied der Friedensbewegung damals gegen die Stationierung von Pershing II und Cruise Missiles in Deutschland engagiert hat, erlebt heute ein Déjà-vu. Man fühlt sich wie in einem über 40 Jahre alten Film: Obwohl es schon längst keine Sowjetunion, keinen Warschauer Pakt und keinen Staatssozialismus in Osteuropa mehr gibt, feiern die Blocklogik des Kalten Krieges – wir als „die Guten“ im Westen, gegen „die Bösen“ im Osten – und die intellektuell eher schlichte Abschreckungsideologie derzeit fröhliche Urständ. Erneut stehen sich zwei hochgerüstete Mächtegruppierungen gegenüber, die offenbar nach militärischer Überlegenheit streben und ihren zum Todfeind erklärten Antipoden am liebsten vernichten würden. Deutschland befindet sich dabei einmal mehr als mögliches Aufmarschgebiet der NATO-Truppen im Mittelpunkt und spielt in der geopolitischen Auseinandersetzung wieder eine Schlüsselrolle.

Das erklärte Hauptziel der CDU/CSU/SPD-Koalition unter Friedrich Merz und Lars Klingbeil besteht darin, den „Wirtschaftsstandort D“ und das Militär zu stärken. Was die Standortlogik für neoliberale Ökonomen, Finanzmarktakteure und Wirtschaftslobbyisten, ist die Abschreckungslogik für Militärs, Sicherheitspolitiker und Rüstungslobbyisten. In beiden Fällen versucht man, sich (ökonomische bzw. Sicherheits-)Vorteile auf Kosten anderer zu verschaffen. Es handelt sich jeweils um ein Ideologem, das seine Propagandisten befähigt, lukrative Sonderinteressen unter Rückgriff auf Alltagserfahrungen der Bevölkerungsmehrheit für allgemeingültig zu erklären.

Fast jeder hat es als Kind schon mal erlebt: Ist man selbst etwa mit einem Stock oder einem Messer bewaffnet, schreckt selbst der gewalttätigste Nachbarsjunge vor einem Angriff zurück. Beschafft er sich einen größeren Stock, hole ich mir einen zweiten. Tut er das auch, nehme ich einen dritten Stock zur Hand. Und so weiter und so fort … Würde die Verteidigungspolitik sämtlicher Staaten dieser primitiven „Sicherheitsphilosophie“ à la Pistorius folgen, versänke die Menschheit in einem permanenten Wettrüsten globalen Ausmaßes. Dabei schadet nichts der Umwelt, der Natur und dem Klima mehr als das Militär – durch seinen immensen Land-, Ressourcen- und Energieverbrauch auch schon in Friedenszeiten, von Manöver- und Personenschäden ganz zu schweigen.

Trotzdem vereinbarte Olaf Scholz am Rande eines NATO-Gipfels im Juli 2024 mit Vertretern der US-Administration, dass die Vereinigten Staaten, beginnend im Jahr 2026, weitreichende Waffensysteme ihrer „Multi-Domain Task Force“ in Deutschland (West) stationieren können. Das erfuhr die deutsche Öffentlichkeit eher beiläufig aus einer bilateralen Kurzmitteilung. Auch eine öffentliche Debatte darüber und einen Parlamentsbeschluss dazu sah die Ampelkoalition nicht vor. Beim sog. NATO-Doppelbeschluss, der die Ankündigung einer atomaren „Nachrüstung“ des Westens immerhin mit einer radikalen Abrüstungsforderung gegenüber der UdSSR verband, gab es am 12. Dezember 1979 wenigstens noch den offiziellen Beschluss einer Sondersitzung der Außen- und Verteidigungsminister des Bündnisses.

Zulauf erhielt die Friedensbewegung seinerzeit, als bekannt wurde, dass es vor der Stationierung von Pershing II und Cruise Missiles im Umfeld der US-Administration die Idee einer militärischen „Enthauptung“ der UdSSR und die Wahnvorstellung gab, „dem sowjetischen Huhn den Kopf abschlagen“ zu können. Heute begründet man die Aufstellung „abstandsfähiger Präzisionswaffen“, die zum Teil auch nuklear bestückt werden könnten, mit der Notwendigkeit einer Abschreckung Russlands. Plausibel ist dies nicht, denn anders als zu Beginn der 1980er-Jahre werden sie ausschließlich in Deutschland stationiert. Zu dem angegebenen Zweck würde man sie vernünftigerweise auf unterschiedliche europäische Staaten verteilen, um dem Feind einen Gegenschlag dadurch zu erschweren, dass er gleich mehrere NATO-Mitglieder angreifen müsste.

Viel spricht ohnehin dafür, dass es sich bei den Tomahawk-Marschflugkörpern, SM-6-Raketen und Hypergleitern um Erstschlagswaffen handelt, weil sie aufgrund ihrer Schnelligkeit und Zielgenauigkeit fähig sind, russische Radarstationen, Kommandozentralen und Raketensilos zu zerstören. Dies ergibt nur einen Sinn, wenn man selbst angreift und dem Feind im Osten zuvorkommt. Unterstehen werden die Mittelstreckenraketen zunächst einem US-Präsidenten, der als erratisch und völlig unberechenbar gilt, schon Militär gegen Landsleute in amerikanischen Großstädten und völkerrechtswidrig gegen den Iran eingesetzt hat, vielleicht jedoch auch andere „Drecksarbeiten“ erledigen würde, wenn er die waffentechnischen Mittel dazu hat.

Friedrich Merz, der in seinem Amtseid als Bundeskanzler geschworen hat, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden, muss zur Revision der Entscheidung seines Vorgängers gedrängt werden. Wenigstens wusste Scholz noch nicht, dass Trump erneut gewählt wurde. Merz wurde nach den ersten hundert Regierungstagen für seine außenpolitische Omnipräsenz gelobt. Statt eines früheren BlackRock-Managers, der Trumps Monologen im Oval Office brav wie ein Musterschüler lauschte und meist andächtig schwieg, hätte man sich allerdings einen mutigen Bundeskanzler gewünscht, der den US-Präsidenten gefragt hätte, wieso die Wirtschaftskraft eines Landes ein sinnvoller Indikator für seine militärische Bedrohungslage sein soll.

Es sind wahrlich makabre Zeiten, in denen wir leben: Da verlieh Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 4. April 2025 einen „Sonderpreis des Internationalen Preises des Westfälischen Friedens“ an die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer, hielt aus diesem Anlass aber eine Grundsatzrede, in der er für deutsche Streitkräfte in einer militärischen „Allianz der Willigen“ neben der EU und der NATO, höhere Rüstungsausgaben und eine Rückkehr zur Wehrpflicht warb. Ein knappes Jahr zuvor, am 28. Mai 2024, war dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron dieser Friedenspreis verliehen worden, kurz nachdem er den Einsatz von Bodentruppen der NATO im Ukrainekrieg angeregt hatte. Und in diesem Jahr erhält die NATO selbst den Friedenspreis – der Bock wird zum Gärtner gemacht.

Der militärpolitischen folgt eine sozialpolitische Zeitenwende

Nur zehn Wochen, nachdem der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz am 27. Februar 2022 in seiner Regierungserklärung zum russischen Angriff auf die Ukraine von einer „Zeitenwende in der Geschichte unseres Kontinents“ gesprochen hatte, forderte Reiner Schlegel, seinerzeit Präsident des Bundessozialgerichts, eine „Zeitenwende für den Sozialstaat“ – so lautete auch der Titel seines Gastbeitrages in der FAZ. Darin sorgte sich einer der ranghöchsten Juristen unseres Landes weniger um die Würde alter Menschen, deren Lebensstandard bei einer von ihm empfohlenen Anhebung des Renteneintrittsalters auf dem Spiel stünde, als um die „Wettbewerbsfähigkeit unserer stark global ausgerichteten Wirtschaft“, die auf dem Spiel stehe, wenn stattdessen der Beitragssatz zur Gesetzlichen Rentenversicherung spürbar erhöht werde müsse.

Schlegel zufolge sollten die politisch Verantwortlichen „das heiße Eisen von Leistungskürzungen im Sozialbereich“ anfassen, nachdem „Effizienzreserven ermittelt und gehoben“ worden seien: „Im Bereich Gesundheit und Soziales ist ganz allgemein ein Diskurs darüber erforderlich, auf was wir am ehesten verzichten könnten, was weiterhin staatlicher Fürsorge und solidarischer Lastentragung überlassen bleiben soll, aber ebenso, was man wieder in die Eigenverantwortung des Einzelnen zurückgeben könnte.“ Vor allem dürfe es „keine Finanzierung von Renten, Hartz IV, Sozialhilfe, aber auch Leistungen im Gesundheitsbereich ‚auf Pump‘ geben.“

Hinsichtlich des von Scholz ohne Absprache mit der SPD-Bundestagsfraktion initiierten „Sondervermögens Bundeswehr“ äußerte Schlegel dagegen keinerlei Bedenken, Kredite in Höhe von 100 Milliarden Euro aufzunehmen. Hierbei handelt es sich übrigens ebenfalls um konsumtive Ausgaben, die im Jahr 2027 aufgebraucht sind und deren Tilgung aus dem regulären Haushalt erfolgen muss, wie auch die Zinszahlungen diesen von Anfang an erheblich belasten.

Überdies müssten im Sozial- und Gesundheitsbereich „strukturelle Reformen in Angriff genommen“ oder Leistungskürzungen vorgenommen werden, von Schlegel als Anpassung des Leistungsniveaus verharmlost. Vor allem dürften „keine Leistungsausweitungen“ erfolgen, bei denen absehbar sei, dass sie den jetzigen Beitragszahler(inne)n nicht mehr zugutekommen. „Putins Überfall auf die Ukraine und die Folgen seines Krieges haben in Deutschland in vielen Feldern zu einem Umdenken, zumindest aber einem Nachdenken über vermeintliche Sicherheiten geführt, energiepolitisch wie sicherheitspolitisch. Auch sozialpolitisch ist eine Aufgabenkritik unerlässlich.“

Schon bald folgte der außen-, energie- und militärpolitischen Zeitenwende eine sozialpolitische Zeitenwende. Deren erstes Opfer war die Kindergrundsicherung, das familienpolitische Prestigeprojekt der Ampelkoalition. Damit sollte die seit drei Jahrzehnten wachsende Familienarmut verringert und Kindern aus „Problemfamilien“ ein besseres Aufwachsen ermöglicht werden. Von der FDP und ihrem Finanzminister Christian Lindner bereits auf Bonsai-Format geschrumpft, waren am Schluss nicht einmal mehr 2,4 Milliarden Euro jährlich dafür übrig, obwohl für rund 8 Milliarden Euro Waffen in die Ukraine geliefert wurden.

Kürzlich wurde mit dem Bürgergeld auch das sozialpolitische Renommierprojekt der Ampelkoalition abgeschafft. Trotz des Blankoschecks, den sich CDU, CSU und SPD per Grundgesetzänderung zugunsten des Militärs haben ausstellen lassen, lautet die hinsichtlich der künftigen Gesellschaftsentwicklung zu treffende Richtungsentscheidung: Rüstungs- oder Sozialstaat? Butter oder Kanonen? Ich bin schon wegen meines Nachnamens für die Butter; gerade wegen der beiden von Deutschland ausgelösten Weltkriege sollten es alle hier lebenden Menschen sein!

Auf den Weg gebracht wird das größte Aufrüstungsprogramm in der Nachkriegsgeschichte zunächst gar nicht aus dem Staatshaushalt, sondern ohne Grenzen auf Pump finanziert. Aktuell besteht sogar die Gefahr, dass der kriselnde Finanzmarktkapitalismus auf ein Konjunkturprogramm nach Art des Rüstungskeynesianismus setzt und auch in Deutschland ein militärisch-industrieller Komplex entsteht, vor dessen politischer Macht US-Präsident Dwight D. Eisenhower am 17. Januar 1961 in seiner Abschiedsrede warnte.

Weil die neuen Verschuldungsmöglichkeiten bloß für zusätzliche, über den Status quo hinausreichende Maßnahmen und nicht für konsumtive Zwecke genutzt werden dürfen, Substitutionseffekte gegenüber den normalen Staatsfinanzen also weitgehend ausgeschlossen sind, bleibt der Druck auf die öffentlichen Haushalte bestehen. Auch müssen die Zins- und Tilgungslasten der kreditfinanzierten Hochrüstung wie auch des Sondervermögens für die Infrastruktur im Bundeshaushalt gegenfinanziert werden.

Die schwarz-rote Koalition vollzieht jenen sozialen Klimawandel hin zu größerer Eiseskälte und weniger Solidarität nach, der sich bereits länger abgezeichnet hat. Den Armen gehe es zu gut, heißt es, Geflüchtete und Menschen im Bürgergeldbezug lebten in Saus und Braus; Reiche müssten hingegen stärker unterstützt werden, sei es durch Steuersenkungen oder staatliche Direktsubventionen. Während die Angriffe Russlands auf Deutschland oder andere NATO-Staaten ein bloßes Hirngespinst und ein Schreckgespenst sind, mit dem Rüstungslobbyisten ihr Interesse an hohen Profiten und Renditen der (Groß-)Aktionäre durchsetzen, sind die Angriffe von Unternehmerverbänden, wirtschaftsnahen Stiftungen und Parteien auf den Sozialstaat real.

Dieser steht unter einem politischen Dauerbeschuss von CDU/CSU-Politikern, die ihn durch ständige Angriffe sturmreif schießen wollen. Anscheinend soll sich im Alltagsbewusstsein der Eindruck verfestigen, dass der Staat nicht die Probleme der (einheimischen) Bevölkerung löst, sondern selbst das Problem ist. Er wird als Selbstbedienungsladen der Leistungsbezieher dargestellt, der zum Klotz am Bein der Leistungsträger verkümmert ist. Deshalb bekämpft man die Armen und nicht die Armut, wie es nötig wäre, wenn Lebensmitteltafeln, Schuldnerberatungsstellen und Pfandleihhäuser gleichermaßen Hochbetrieb haben.

Notwendig wäre daher ein Sofortprogramm der Bundesregierung zur Bekämpfung der wachsenden Alters-, Familien- und Kinderarmut, zur Belebung des öffentlichen Wohnungsbaus (zwecks Verringerung der Wohnungsnot und Beendigung der Mietenexplosion), zur Beendigung des Pflegenotstandes sowie zur Verbesserung der sozialen, Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur.

Es geht auch anders: Perspektiven für Rüstungskontrolle, Abrüstungsverhandlungen und Rüstungskonversion

Nach dem Fall der Berliner Mauer, der Vereinigung von BRD und DDR am 3. Oktober 1990 sowie dem Zusammenbruch der UdSSR und dem Zerfall des Warschauer Pakts arbeitete ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter für die Bremische Stiftung für Rüstungskonversion und Friedensforschung. Statt wie damals im Unterweserraum als einem regionalen Zentrum der Rüstungsindustrie „Schwerter zu Pflugscharen“ umzuschmieden, also zivile statt Rüstungsproduktion zu betreiben, bevorzugt man gegenwärtig eher Rekonversion: Wo früher Straßenbahnen, Züge oder Personenkraftwagen hergestellt wurden, sollen es künftig Militärfahrzeuge sein, die von den Fließbändern und aus den Fabriken rollen.

Wer – wie ich – die Hauptursache von ökonomischen Krisen, ökologischen Katastrophen, sozialen Konflikten, aber auch von Kriegen und Bürgerkriegen in der wachsenden sozioökonomischen Ungleichheit sieht, muss das von Boris Pistorius ständig vorgetragene Abschreckungsmantra „Si vis pacem para bellum“ (Wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor!) hinter sich lassen. Helmut Schmidt bezeichnete dieses lateinische Diktum am 22. März 1958 im Bundestag übrigens als „satanische Weisheit des klassischen Imperialismus“, von der sich die Union bei den damaligen Plänen zur Atombewaffnung der Bundeswehr leiten lasse. Wenn es nach dem CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn ginge, würde dieser verrückte Traum von Franz Josef Strauß „wegen Putin und Trumps Abwendung von Europa“ demnächst vielleicht Wirklichkeit.

Ersetzt werden muss das Abschreckungsparadigma durch eine Maxime, die auf dem Grundstein des Ursprungsgebäudes der kurz nach Beendigung des Ersten Weltkrieges gegründeten Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) eingraviert wurde: „Si vis pacem cole iustitiam“ (Wenn du Frieden willst, sorge für Gerechtigkeit!). Nur wenn das Kardinalproblem auf unserem Planeten – die wachsende Ungleichheit sowohl innerhalb der einzelnen Gesellschaften wie zwischen ihnen –, gelöst und die sich global vertiefende Kluft zwischen Arm und Reich geschlossen wird, kann die Menschheit überleben, ohne dass es zu einem Krieg zwischen Atommächten kommt.

Trotz des Plans, erneut US-amerikanische Mittelstreckenraketen in Deutschland zu stationieren, die als Erstschlagswaffen gelten müssen, sollte die verbleibende Zeit genutzt werden, um die breite Öffentlichkeit zu informieren und die Menschen gegen Kriegsszenarien aller Art zu mobilisieren. Das gigantische Rüstungsprogramm der Bundesregierung muss energisch bekämpft, die demokratische Frage mit der sozialen und diese mit der Friedensfrage verknüpft werden.

Prof. Dr. Christoph Butterwegge war in den 1980er-Jahren einer der Sprecher des Bremer Friedensforums und in den frühen 1990er-Jahren wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bremischen Stiftung für Rüstungskonversion und Friedensforschung. Später hat er 18 Jahre lang Politikwissenschaft an der Universität zu Köln gelehrt und zuletzt die Bücher „Deutschland im Krisenmodus“ sowie „Umverteilung des Reichtums“ veröffentlicht.

 

 

 

Hallo Freundinnen und Freunde, ich bin Luis vom Internationalen Jugendverband Bremen und ich freue mich, dass wir heute so zahlreich auf der Straße sind!

Die Angst vor Krieg ist real. Überall auf der Welt nehmen militärische Konflikte zu und Krieg wirkt für uns Jugendliche plötzlich näher als vor ein paar Jahren noch: in den Nachrichten, auf Social Media oder wenn Politiker davon reden, dass Deutschland "kriegstüchtig" werden müsse. Die Weltlage wird immer angespannter.

Schon Anfang des Jahres griffen die USA Venezuela an und entführten den Präsidenten. Kurz danach stand die Zukunft von Grönland und neuerdings auch Kuba auf dem Spiel, weil die USA einfach Anspruch auf das Gebiet erhoben. Seit Ende Februar sind auch der Iran und die ganze Region Schauplatz neuer imperialistischer Angriffe durch die USA und Israel, die versuchen, ihren Einfluss in der Region und den Zugriff auf Ressourcen gegen ihre Rivalen abzusichern. Die USA treten immer aggressiver auf, doch das passiert nicht zufällig: Es geschieht vor dem Hintergrund der wachsenden Konkurrenz mit China. Während China wirtschaftlich an Einfluss gewinnt, versuchen die USA ihre globale Vormachtstellung mit immer härteren Mitteln zu verteidigen. Überall spitzt sich die Lage zu. Imperialistische Mächte kämpfen um Einfluss und Macht -  Russland, in der Ukraine, die USA, im Iran und im Nahen Osten oder China rund um Taiwan.

Aber welche Rolle spielt Deutschland dabei und droht wirklich ein Weltkrieg? Die Bundesregierung sagt, Deutschland müsse aufrüsten, um sich zu verteidigen. In Wahrheit verfolgt auch Deutschland eigene Interessen. Deutsche Konzerne verdienen an der Ausbeutung von Menschen hier und weltweit und dafür versucht sich die Bundesregierung Zugang zu Märkten, Ressourcen und Handelsrouten zu verschaffen. Besonders Rüstungskonzerne wie Rheinmetall machen in den letzten Jahren Rekordprofite. Deutschland liefert Waffen  ob an Israel, die Türkei oder Ukraine  und unterstützt damit die Verlängerung und Eskalation dieser Kriege.

Auch Bremen ist ein wichtiger Standort der Rüstungsindustrie und der größte Waffenproduzent Rheinmetall baut seinen Standort hier aus. Im letzten und diesem Jahr sollen insgesamt 800 neue Stellen geschaffen werden. Während viele Industriebetriebe wie VW, Bosch, Gesundheit Nord und die Deutsche Bahn zur Profitmaximierung massiv Stellen abbauen wollen, boomt die Rüstungsindustrie. Rheinmetall hat im Jahr 2025 einen Rekordumsatz von fast  10 Milliarden Euro gemacht. Das ist doppelt so viel wie noch vor 5 Jahren! Während die Zukunftssorgen vieler Arbeitnehmer und Azubis vor Entlassung real sind, stellen sich Waffenproduzenten als "sichere Arbeitgeber" dar.  Doch wir wissen, wo Waffen produziert werden, müssen diese auch verkauft werden und wo Waffen verkauft werden, werden sie auch eingesetzt. Das Geschäft von Rheinmetall und Co. funktioniert nicht ohne Krieg und das Leid und die Zerstörung, die er mit sich bringt! Deswegen können die Aufrüstung und die Waffenexporte nicht im Interesse der Arbeitnehmer sein!

Gleichzeitig will Deutschland militärisch stärker werden, um im Machtkampf mit Ländern wie den USA, China oder Russland mitzuhalten. Deshalb wird immer mehr auf das Militär ausgerichtet: Schulen, Unis, Betriebe - die ganze Gesellschaft soll auf Krieg vorbereitet werden. Doch diese Politik dient nicht unserer Freiheit oder unserer Zukunft. Während sie aufrüsten, verschärfen sich Armut, rassistische Ausgrenzung, die Unterdrückung von Frauen und die Klimakrise. Das neue Wehrdienstgesetz richtet sich direkt an uns junge Menschen. Die Botschaft dahinter ist klar: Entweder wir zahlen mit schlechteren Lern-, Arbeitsund Lebensbedingungen - oder wir sollen im nächsten Krieg an die Front. Mit der neuen Änderung des Wehrdienstgesetz dürfen Männer bis 45 Jahre zukünftig keine längeren Auslandsaufenthalte verbringen, ohne dass das Karrierecenter der Bundeswehr dies vorher bewilligt. Aussagen wie die des NATO-Generalsekretärs Mark Rutte, wir müssen "für einen Krieg bereit sein, wie ihn unsere Eltern und Großeltern erleiden mussten" und von Verteidigungsminister Pistorius wir müssen "kriegstüchtig werden, zeigen uns immer deutlicher, dass es Deutschland nicht nur um Verteidigung geht. Die ungebremste Aufrüstung und die geplante Wiedereinführung der Wehrpflicht bestätigen diese Befürchtung. Dabei steht die Jugend besonders im Fokus: Eine steigende Zahl von Schulbesuchen durch Jugendoffiziere, Werbung der Bundeswehr auf dem Campus oder dem Pizzakarton, Bundeswehrpräsenz auf Jobmessen oder gar eigene Serien wie "Die Rekruten" auf YouTube - an der Bundeswehr kommen wir in unserem Alltag nicht mehr vorbei.

Doch viele Jugendliche machen da nicht mit. In den letzten Monaten sind zehntausende Schüler in Deutschland und ganz Europa gegen Wehrpflicht und Militarisierung auf die Straße gegangen und haben ihren Unterricht bestreikt. Millionen Menschen protestierten weltweit gegen den Krieg und gegen den Genozid am palästinensischen Volk und haben Druck auf ihre Regierungen aufgebaut, die selbst an diesem Verbrechen beteiligt sind.
Die Ostermärsche sind die traditionellen Friedensdemonstrationen in Deutschland und wir sollten sie nutzen, um gemeinsam ein Zeichen zu setzen: für eine Welt ohne Krieg, Zerstörung und Ausbeutung. Während Regierungen neue Kriege vorbereiten, müssen wir laut dagegenhalten. Besonders jetzt, wo der Krieg im Iran und in der Region weiter eskalieren kann und die deutsche Regierung diese Angriffe zwar mit Lippenbekenntnissen anzweifelt, aber durch Militärbasen wie Ramstein hier im Land erst möglich macht. Gerade deshalb müssen wir Widerstand leisten. Wir müssen zeigen, dass wir uns nicht in ihre Kriege hineinziehen lassen. Unsere Antwort heißt Solidarität, Protest und gemeinsamer Kampf gegen Aufrüstung und Militarisierung.

Denn diese Interessen sind nicht unsere, wir wollen gute Bildung und Arbeit und keine Zukunft voller Krieg und Krisen. Die Schulstreiks gegen die Wehrpflicht und die geringe Zustimmung zum Wehrdienst zeigen uns, die Jugend stellt sich gegen diese Entwicklungen. Eine starke Jugendbewegung gegen Krieg und Militarisierung ist für die deutsche Regierung und die Konzerne, die mit Waffenexporten und Krieg Profite machen, eine große Bedrohung. Deswegen versuchen sie gerade, uns mit aggressiver Werbung zu gewinnen oder durch Einschüchterungen klein zu halten!

Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen. Am Ende haben wir mehr gemeinsam mit den Menschen in anderen Ländern als mit denen, die von Krieg und Aufrüstung profitieren.

Und Deshalb fordern wir:

  • Keine Wiedereinführung der Wehrpflicht!
  • Keine Militarisierung von Schulen, Unis und Betrieben!
  • Stopp aller Waffenexporte aus Deutschland, insbesondere in Kriegsgebiete!
  • Keine Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland!
  • Abrüstung statt Aufrüstung!
  • Milliarden für Bildung und Soziales statt für Aufrüstung!

Wir müssen weiter auf die Straße gehen und uns organisieren, bis diese Politik gestoppt wird!

Wir wollen Ausbildungsplätze statt Kriegseinsätze!

Link zur Website des IJV

Liebe Freundinnen und Freunde des Friedens,
liebe Gäste,

herzlich willkommen am Friedenstunnel in Bremen. Mein Name ist Sedat Sevimli und ich begrüße Euch im Namen des Friedenstunnel Vereins ganz herzlich zum Auftakt des Ostermarsches 2026.

Es ist inzwischen eine schöne und lebendige Tradition geworden, dass der Friedensmarsch hier am Friedenstunnel beginnt. Dieser Ort steht für Begegnung, Erinnerung und für das, was uns als aktiv Engagierte am Friedenstunnel besonders wichtig ist, nämlich Vielfalt, Toleranz und Verständigung. Hier kommen Menschen zusammen, hören einander zu und gehen gemeinsam den Friedensweg.

Unser Friedenstunnel ist ein Ort, der verbindet. Er zeigt, dass ein respektvolles Miteinander möglich ist und dass es sich lohnt, dafür einzustehen. Dass so viele von Euch heute hier sind, macht genau das sichtbar.

Lasst mich auch an einen besonderen Moment aus dem vergangenen Jahr erinnern. Unsere Initiatorin und Vereinsvorsitzende Regina Heygster wurde mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Diese Ehrung würdigt ihr außergewöhnliches Engagement für die Realisierung des Friedenstunnels und ihren langjährigen Einsatz für Frieden, Verständigung und Toleranz zwischen Kulturen und Religionen. Diese Auszeichnung hat Regina Heygster unserem Friedenstunnel gewidmet und es zeigt der Welt, was wahrlich passiert, wenn Menschen zueinanderfinden. Darauf sind wir sehr geehrt wie dankbar, und wir als Engagierte am Friedenstunnel sind froh, selbst ein Vierteljahrhundert aktiv dabei zu sein.

Ja, Ihr habt richtig gehört, wir feiern in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum.
Der Friedenstunnel wird 25 Jahre alt. Dazu laden wir Euch schon heute ganz herzlich ein am 11. September 2026 ab 14 Uhr hier im Friedenstunnel mit uns zu feiern. Wir freuen uns, wenn viele von Euch auch dann wieder dabei sind.

Der diesjährige Ostermarsch steht unter dem Motto „Friedenstüchtig statt kriegswillig“. Dieses Motto lädt uns alle ein, über den Wert des Friedens nachzudenken und ihn im Alltag zu leben, im Gespräch, im Zuhören und im respektvollen Umgang miteinander.

Wir laden Euch daher ein, den heutigen Tag gemeinsam zu erleben, miteinander ins Gespräch zu kommen und ein Zeichen für ein friedliches Miteinander zu setzen.

Lasst uns diesen Friedensmarsch gemeinsam, laut, sichtbar und entschlossen gehen, denn eines ist klar:

KRIEG IST KEINE LÖSUNG, SONDERN DAS ENDE JEDER LÖSUNG!

Vielen Dank, dass Ihr hier seid.
Herzlich willkommen!

Vielen Dank Dir nochmals für den freundlichen Austausch und für Eure wichtige Arbeit im Friedensforum Bremen.

Link zur Website des Friedenstunnel e.V.

Ich freue mich alljährlich sehr auf den gemeinsamen Ostermarsch auf unser gemeinsames Zeichen für Frieden.

 

Liebe Friedensfreunde und zuhörende Mitbürger!

Die Kriegsverbrecher Benjamin Netanjahu und Donald Trump haben mit ihrem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Iran den gesamten Nahen Osten in Flammen gesetzt und die gesamte Weltwirtschaft mit reingezogen. - Die Spritpreise explodieren und die geschwächte deutsche Wirtschaft gerät wegen der Energie. & Rohstoffkrise in einen Abwärtssog. Unternehmen wandern ab, zehntausende Arbeitsplätze in der deutschen Industrie werden vernichtet.

Die Bundesregierung und die Bremer Landesregierung und fast alle etablierten Parteien propagieren bisher als "Lösung" gegen die Wirtschaftskrise die umfassende Umstellung auf Kriegswirtschaft – finanziert mithilfe der Merz’schen Aufhebung der Schuldenbremse für Aufrüstung.

Wir stehen heute hier für für den dringend notwendigen Ausbau unserer zivilen Infrastruktur, unserer Brücken und Straßen und für einen gut funktionierenden öffentlichen Nahverkehr, für Bildung und Soziales.

Für Kriegsvorbereitung muss in der Bevölkerung Stimmung gemacht werden: Wir erleben, wie Jahrhunderte alte Russophobie reaktiviert wird. Ein mit viel Geld und Einfluss ausgestatteter Propagandaapparat arbeitet seit 20 Jahren daran, aus unserem natürlichen Nachbar und Wirtschaftspartner Russland eine Ausgeburt des Bösen zu machen und Putin zu einem neuen Hitler hochzustilisieren.

Wir protestieren hier auf diesem Ostermarsch gegen den Wahnsinn dieser Kriegspropaganda. Stoppen wir diese Kriegstreiberei, die uns ins Verderben führt.

Keine Stadt in Deutschland weist eine vergleichbare Rüstungsdichte wie Bremen auf. Etwa 7 % des Umsatzes der deutschen Rüstungsindustrie werden hier generiert, bis zu 10.000 Arbeitsplätze soll es in der Branche in Bremen geben. An jedem dieser Stammarbeitsplätze "hängen" ca. dreimal so viele Arbeitsplätze bei den Zulieferbetrieben.

Norddeutschland mit seiner Lage an Nord- und Ostsee ist zudem aktiv in die NATO-Kriegsvorbereitungen gegen Russland einbezogen. Das Land Bremen spielt bei den Kriegsvorbereitungen gegen Russland als Logistikdrehscheibe eine wichtige Rolle. Die Bremerhavener Hafeninfrastruktur wird nun mit 1.3 Milliarden zum Militärumschlagplatz aufgerüstet. Der bremische Regionalsender "buten un binnen" berichtet am 14.11.2025, Zitat: "Das Geld aus dem Verteidigungsetat soll in die Stärkung der militärischen Nutzung der Häfen fließen. Noch nie wurde ein Projekt im Land Bremen mit einem so hohen Betrag gefördert. […] Die 1,35 Milliarden Euro sollen dafür investiert werden, die Infrastruktur in den Häfen den militärischen Bedürfnissen der Nato anzupassen."

Für die Hinterlandanbindung der Häfen über Straße und Schiene will die Bundesregierung die Effizienz steigern mit dem sog. „Infrastruktur-Zukunftsgesetz“, das am 26. Februar erstmals im Bundestag beraten wurde. Zitat: "Mit dem Gesetzentwurf sollen wesentliche Verkehrsinfrastrukturen in das überragende öffentliche Interesse gestellt werden. Damit will die Regierung klarstellen, dass diese Verkehrsinfrastrukturen der öffentlichen Sicherheit und den Belangen der Landes- und Bündnisverteidigung dienen und einen Schutzgütervorrang genießen."

Aus den jahrelang ausgearbeiteten Plänen für einen Energy-Port am „Blexer Bogen“ an der Weser in Bremerhaven wurde nun ein heißer Kandidat für einen komplett neuen Marinehafen der Bundeswehr. Die regionalen Medien und alle etablierten Parteien sind begeistert – Zitat buten un binnen vom 12. Januar: "Der neue mögliche Hafen solle aber darüber hinaus die Präsenz der Bundesmarine und der Nato-Partner in Nordsee und Atlantik stärken. Er sei außerdem als Ergänzung des wichtigen Marinehafens in Wilhelmshaven zu verstehen."

Bremer Friedensgruppen setzen sich seit Langem für Abrüstung ein, kritisieren die Ausweitung des Rüstungsstandorts Bremen und setzen sich stattdessen für Investitionen in zivile Projekte und Infrastruktur ein; besonders den Ausbau der zivilen Häfen in Bremen, Bremerhaven und Wilhelmshaven, wo die Kompetenzen der Beschäftigten sinnvoller eingesetzt werden können.

  • Stoppen wir endlich die sinnlose Versenkung von Milliarden Steuergelder auf ukrainischen Schlachtfeldern, wo damit noch mehr Tod und Zerstörung hinterlassen wird.
  • Stoppen wir das üble „von der Leyen-Sanktionsregime“ gegen unseren preisgünstigsten Rohstofflieferanten Russland.
  • Verhandeln wir mit Russland über die Inbetriebnahme der intakten Nord-Stream-Pipeline.
  • Reaktivieren wir die 300 Jahre alten Kulturbeziehungen zwischen Deutschland und Russland.

Seit die Straße von Hormuz dauerhaft unter iranischer Kontrolle steht, das LNG aus Qatar nicht mehr lieferbar ist und die US-Dominanz im Persischen Golf möglicherweise schon bald ein vollständiges Ende findet, mehren sich die Stimmen innerhalb der EU, die eine Wiederaufnahme energiepolitischer Beziehungen zu Russland befürworten. Von der Leyens 20. Sanktionspaket, das in der jetzigen Energienotlage ausgerechnet den vollständigen Verzicht auf russisches Gas in der EU erwingen will, findet keine Mehrheit. Eine Entscheidung dazu wurde in Brüssel zuletzt verschoben. Setzt sich da möglichweise wieder wirtschaftliche Vernunft durch? Wir werden sehen.

Der Niedergang den US-Hegemons spielt sich vor unser aller Augen ab. Eine multipolare Welt, gestützt auf die große Mehrheit der Staaten im globalen Süden, mit gleichberechtigten Handelsbeziehungen zum Wohle aller, ist längst im Hintergrund am Entstehen, mit China und Russland als wesentliche Säulen. Davon könnten auch die großen deutschen Nordseehäfen profitieren.

Der international anerkannte Bremer Ökonomieprofessor Wolfram Elsner hat Anfang März in der chinesischen Tageszeitung „GLOBAL TIMES“ einen Beitrag veröffentlicht, Auszüge seien daraus (mit KI auf Deutsch übersetzt) zitiert:

„Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz war der jüngste in einer Reihe von Vertretern wichtiger westlicher Länder, die in diesem Jahr einen offiziellen Besuch in China ablegten. [...] Während viele in der EU und der EU-Kommission in der Welt der „Entkopplung“ und der Einschränkung der Beziehungen zu China verharren, ist Merz ein pragmatischer Kurswechsel gelungen. Er wurde von 30 Unternehmenschefs begleitet – der größten deutschen Wirtschaftsdelegation nach China der letzten Jahre. Und ihre Haltung hinsichtlich des Engagements in China war ziemlich eindeutig. [...] Deutschland scheint gespalten zu sein: Während viele in den Eliten noch immer in einer Denkweise der Feindseligkeit und des Krieges gefangen sind, investiert die deutsche Wirtschaft, von Großkonzernen bis hin zu mittelständischen Unternehmen, im Ausland, insbesondere in China. Dies geschah oft gegen ausdrückliche Ratschläge und Drohungen aus Berlin und Brüssel. Doch sie sagen, dass es keine Alternative dazu gibt, wenn sie ihre eigene internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht verlieren wollen. China ist nicht nur ihr größter Einzelmarkt, sondern auch ihr „Trainingsplatz“ für Produktion und Forschung &Entwicklung, ihre technologische Zukunft. [...] Sollte Deutschland seine frühere wirtschaftliche Stärke zurückgewinnen und gleiche Wettbewerbsbedingungen erreichen, könnte es sich dem größeren „Spielfeld“ der Welt öffnen und darauf hinarbeiten, an der von China vorgeschlagenen „Belt and Road Initiative“ (BRI) teilzunehmen. Das mag heute unrealistisch klingen. ...Wir sind vielleicht noch einige Jahre davon entfernt, aber es könnte ein hervorragendes Modell für eine zukünftige Win-Win-Kooperation zwischen Deutschland, der EU und China sein.“

Ich danke für die Aufmerksamkeit !

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Reden auf dem Ostermarsch 2026 Bremen (I):
Ebubekir Kilinc

Foto: privat

Wir dokumentieren nach und nach die auf dem Ostermarsch 2026 in Bremen gehaltenen Reden – den Anfang macht die Rede von Ebubekir Kilinc.

Liebe Bremerinnen, liebe Bremer, liebe Freundinnen und Freunde des Friedens,

ich stehe heute hier als Mitglied der palästinensischen Gemeinde dieser Stadt. Aber ich möchte heute nicht nur als Palästinenser zu euch sprechen. Ich möchte als Bremer zu euch sprechen.

Wir haben in dieser Stadt seit dem 7. Oktober 2023 über 110-mal demonstriert. Wir haben gerufen, wir haben geweint, wir haben Zahlen genannt, die so groß sind, dass der menschliche Verstand sie kaum noch fassen kann. Aber heute ist Ostermarsch. Heute geht es um das Fundament, auf dem wir alle stehen wollen: den Frieden und das Recht auf Frieden.

Beginnen wir mit dem Unfassbaren. Am 30. März hat die israelische Knesset ein Gesetz verabschiedet, das die Todesstrafe für Palästinenser einführt. In einer Zeit, in der die Welt vorgibt, sich weiterzuentwickeln, führt ein Staat, der von unserer Bundesregierung als „Wertepartner“ hofiert wird, die staatliche Tötungsmaschinerie ein – selektiv, rassistisch, brutal. Weiterlesen… „Reden auf dem Ostermarsch 2026 Bremen (I):
Ebubekir Kilinc“