STN: Präzisionswaffen „Made in Bremen“

STN Atlas Elektronik (STN) heißt der größte Rüstungsbetrieb in Bremen, mit derzeit etwa 3000 Mitarbeitern, mehr als 500 Millionen Euro Jahresumsatz und einem entsprechenden Auftragspolster. Über 90 Prozent der Produktion sind Rüstungsgüter, bezogen auf das Umsatzvolumen beträgt der Exportanteil 40 Prozent. STN ist weltweit führend bei der Entwicklung und Herstellung von Präzisionswaffen für alle drei Militärbereiche: Heer, Marine und Luftwaffe. In vielen Bereichen ist der Betrieb Marktführer, in Deutschland, europa- und sogar weltweit für U-Boot-Sonaranlagen. STN rüstete alle deutschen U-Boote mit Torpedos und/oder Feuerleitsystemen aus und entwickelte Sonargeräte für die in Deutschland gebauten Fregatten. STN lieferte weltweit Kampfsysteme für mehr als 140 U-Boote für 19 Armeen.

Fast alle Produkte von STN sind nach dem Außenwirtschaftsgesetz genehmigungspflichtig. Torpedos, Drohnen und Seeminen von STN fallen unter das Kriegswaffenkontrollgesetz. Das heißt, ihre Entwicklung, Fertigung und Export sind nur mit Genehmigung der Bundesregierung erlaubt.

Die Bedeutung der in Bremen bei STN hergestellten Kriegswaffen bzw. Rüstungsgüter lässt sich an Äußerungen des Bremer Bundestagsabgeordneten Volker Kröning erkennen. Er ist überzeugt, „mit dem Auftrag (für die Drohne KZO s.u.) werde der Heeresindustrie-Standort und die starke Stellung des Bremer Unternehmens auf dem Weltmarkt gesichert“. (Weser Kurier vom 12.12.2001)

Mario Gabrielli aus der Führungsetage der Rheinmetall Rüstungstochter DeTec erläuterte in einem Vortrag im Rahmen eines internationalen Konversionskongresses im April 2001 in Bremen seine Position: „Wir haben den Schritt von der Verteidigungs- zur Einsatzarmee vollzogen. Nicht irgendwie. Nein, das war politisch bewusst, politisch gewollt und demokratisch legitimiert. Fakt ist: Heute sind unsere Soldaten im Einsatz. Was heißt das? Das heißt, ... wir müssen heute ... mehr denn je über Rüstung und Ausrüstung reden ... die unsere Soldaten schützen muss, die ihnen zu Mobilität und zu Schlagkraft ... verhelfen muss, um das individuelle Gefährdungspotential zu minimieren.“ (Gabrielli, Mario in: Sicherheitspolitische Perspektiven und ihre industrie- und unternehmenspolitischen Folgen aus Sicht der Rheinmetall DeTec AG aus: International Restructuring and Conversion of the Arms Industries and the Military Sector vom April 2001, S.356)

STN ging aus den Firmen AEG, VFW, Krupp Atlas und MBB hervor. Ab 1911 firmierte die 1902 gegründete Norddeutsche Maschinen- und Amaturenfabrik als ATLAS Werke AG und wurde später in das Krupp Unternehmen integriert. In den 20-er Jahren gehörte der eine Teil zu den Vereinigten Flugtechnischen Werke (VFW) und der andere zu den Münchener Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB). Daraus wurde Anfang der 90-iger Jahre die Systemtechnik Nord (STN) und Krupp Atlas Elektronik, die dann im Vulkan Verbund 1994 zu STN Atlas Elektronik fusionierten. STN ist aus dem Konkurs des Bremer Vulkan Konzerns 1997 als eigenständiges Unternehmen hervorgegangen. „Die Perle des Vulkans“ entwickelte sich nach der Zerschlagung zu einer fast 100%igen Rüstungsschmiede. Die Hälfte der Mitarbeiter weist ein Hochschulabschluss nach, davon wiederum verfügen über 80 Prozent über ein Ingenieurdiplom.

STN gehört zurzeit noch zu 51 Prozent zum Rheinmetallkonzern beziehungsweise zur Rüstungstochter De Tec und trägt zu etwa einem Drittel zum Umsatz von Rheinmetall bei. Der Konzern erzielt mehr als ein Drittel seines Umsatzes mit Kriegswaffen wie Panzern, Munition, und Geschützen und Rüstungsgütern (Die Welt vom 9.04.03). 72 Prozent der Stammaktien von Rheinmetall besitzt die Familie Röchling. Auf der Bilanzpressekonferenz der Rheinmetall AG am 10. April 2003 betonte der Vorstandsvorsitzende des Konzerns, Klaus Eberhard, dass Rheinmetall mit der Ausweitung der Exporte seinen Expansionskurs im Rüstungsbereich fortsetzen will. Der Vorstand peilt eine Erhöhung der derzeitigen Exportquote von derzeit 60 auf 70 Prozent an. Die restlichen 49 Prozent der STN Aktien gehören dem größten britischen Rüstungskonzern British Aerospace Electronic Systems

(BAE Systems). Das drittgrößte Rüstungsunternehmen der Welt zählt weltweit über 100.000 Beschäftigte.

Die Wirkungsweise der Produkte von STN

Zu den Kernkompetenzen von STN zählt die Technologie unbemannter Fluggeräte, also die Entwicklung und Fertigung von Einweg- oder wiederverwendbare Drohnen und Torpedos. Drohnen werden in der Luft und Torpedos werden im Wasser eingesetzt. Diese mit high-tech Militärelektronik gespickten Flugkörper sind Präzisionswaffen, die seit etwa 20 Jahren in der Art entwickelt werden.

STN bietet eine breite Produktpalette von Aufklärungs- und Führungssystemen bis zu Simulatoren und Sonaren. Führungssystem bedeutet neben satellitengesteuerter Kommunikation, dass eine Aufklärungsdrohne die Bomben einer Panzerkanone ins Ziel leitet. „Unsere Aufklärungsdrohnen sind ein Quantensprung in Genauigkeit und Schnelligkeit.“, rühmt sich das Unternehmen auf seinen Internetseiten. Treffergenauigkeit gehört zur Zielsetzung der Rüstungsentwicklung und Produktion, die den Anforderungen der Militärs und Kriegsherren genügt. Dazu soll der Akteur zum eigenen Schutz möglichst großen Abstand zum Gegner halten, um selbst nicht getroffen zu werden.

Echtzeit heißt das Zauberwort: von der Aufklärung bis zum Ergebnis in nicht wahrnehmbarer Zeit agieren. Heute ist der Zeitfaktor kriegsentscheidend. Deshalb rühmen die Militärs und Produzenten, den Gleichklang von aufklären, führen und wirken. STN entwickelte und lieferte Flugabwehrsysteme und Feuerleitanlagen für alle Kampfpanzer Leopard.

Aktuelle Produktbeispiele:

Gegenwärtig bringt STN die Aufklärungsdrohne KZO für die Panzerhaubitze 2000 der Bundeswehr zur Serienreife. Klein und fein. Die KZO ist ein „fliegendes Auge“ über dem Gefechtsfeld, das Videobilddaten in Echtzeit sendet, und dessen Flugbahn im Flug geändert werden kann. Ein unbemanntes, fernlenkbares und wiederverwendbares Zielortungsmittel für die Artillerie, das die Bekämpfung falscher Ziele oder eigener Truppen vermeidet und Attrappen als solche erkennt. Erinnert sei an die Papp-Panzer im Kosovo, die mit Einwegdrohnen zum Stückpreis von etwa 10.000 Euro bekämpft wurden. Der Bundestag hat die KZO im Dezember 2001 bestellt. Beim erfolgreichen Erstflug im Emsland löste die hohe Präzision „echte Begeisterung“ aus, heißt es in einer Presseerklärung des Unternehmens vom 31.07.02. Sechs Systeme der KZO-Zielortungs-Drohnen im Wert von 218 Millionen Euro soll STN bis 2007 ausliefern. (Wehrtechnischer Report 1/2002, Seite 29).

Zusätzlich erhielt STN den mir rund 150 Millionen Euro veranschlagten Auftrag der Bundesregierung zur Entwicklung der Kampfdrohne Taifun für das Heer. Die Einführung in die Bundeswehr ist ab 2006 geplant. Endgültig entschieden ist die Beschaffung der beiden Vorzeigeprojekte noch nicht.

Anfang Juli 2001 vergab der Bundestag den Auftrag zur Entwicklung einer neuen Minenjagdtechnologie an ein Konsortium aus STN Atlas Elektronik, Lürssen Werft, Abeking & Rasmussen sowie EADS. Bis Ende 2005 soll für 35,9 Mio. Euro ein Seeminenortungssystem entwickelt werden, das ins Sediment eingesunkene Minen finden und mit Hilfe einer Drohne zerstören kann. „Seefuchs“ und „Seehecht“ heißen die von STN entwickelten Ortungssysteme für Seeminen. Die deutsche Minenjagdtechnologie mit ihrem Zentrum in Bremen belegt eine „pole position“ auf dem Weltmarkt – weit vor den USA. Das Zentrum ist Bremen. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass die deutsche Marine vor Ostafrika liegt. Seewege auch in Krisenzeiten freihalten ist das Ziel.

Zur aktuellen Produktpalette des Unternehmens gehören ferner Mini-Torpedos für die neuen Bundeswehr U-Boote der Klasse U212A. Für die bewilligte Position des Militär-Airbus A 400 M könnten Zulieferungen für STN anfallen.

Exportbeispiele:

Für den Export entwickelte STN das „Cosy Combat System“, ausnahmsweise nicht zuerst für die Bundeswehr, sondern für die NATO. Wie eine große Operationszentrale lenkt es einen ganzen Schiffsverbund. Auf der Internetseite des Unternehmens heißt es dazu: Im Einsatz in der NATO und in Marinen befreundeter Nationen. Bisher hat STN einen Auftrag für das System aus Thailand und Malaysia eingeworben. NATO? Befreundet? Mit der STN Geschäftsleitung vielleicht, aber Exporte nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz und Außenwirtschaftsgesetz werden nur nach NATO und NATO gleichgestellten Ländern unterschieden. Dazu zählen weder Thailand noch Malaysia.

Für ein äußerst umstrittenes Aufrüstungsprogramm Südafrikas liefert STN zu. Die südafrikanische Regierung handelte im Dezember 1999 mit dem "German Submarine Consortium" einen Vertrag über drei U-Boote der Klasse U209 aus. 2005 und 2007 soll geliefert werden.

Bis Juli 2000 lieferte STN das Kommando- und Sonarsystem für drei U-Boote nach Israel. Nach Presseberichten können die U-Boote Raketen mit Atomsprengköpfen abschießen.

Ein besonderes Geschäft:

Nach Angaben des Berliner Informationszentrums für Transatlantische Sicherheit (BITS) plante Israel den Kauf von US-Torpedos. „Als die US-Regierung den Export verweigerte, wurde eine andere Lösung gefunden. Ein deutscher Torpedo der Firma STN Atlas wird nun von der US-Firma Lockheed Martin Tactical Systems als „Seahake“ angeboten. Der Umweg ermöglicht die Finanzierung durch das US-Militärhilfeprogramm. Während die Bundesregierung den Export 2000 genehmigte, ist unbekannt, ob das 65 Millionen Dollar teure Vorhaben tatsächlich durch die USA finanziert wird.“ (aus: Wissenschaft und Frieden 4/2002 Geheimnisumwittert, Die deutsch-israelische Rüstungszusammenarbeit von Otfried Nassauer, u.a.)

Nach Angaben des BITS sind aktuell Rheinmetall, STN Atlas und Diehl mit der Lieferung des leichten Panzerabwehrsystems SPIKE an die finnische Armee beauftragt. Angeboten wird das System von einer israelischen Rüstungsfirma gemeinsam mit dem deutschen Konsortium. Spike ist für Infanterieeinheiten und Spezialkräfte konzipiert und mit unterschiedlichen Flugkörpern ausgerüstet, eine der modernsten Waffen mit verschiedener Reichweite und verschiedenen Größen – klein, mittel, groß und handgehalten.

Ob das Riesengeschäft mit U-Booten nach Taiwan, das HDW über die USA tätigen will, einen Großauftrag für STN bringen wird, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Er bedarf der Zustimmung der Bundesregierung.

Konversion passee und das zivile Standbein amputiert.

„Mit den zivilen Produkten – so wurde oft berichtet – sei kein Geld zu verdienen“, schrieb Inge Lies-Bohlmann von der IG-Metall im März 1999 in „Entwicklungsperspektiven von Rüstungsproduktion und Konversion“.

Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von STN, Michael Ahlmann, erklärte dazu: „Die zivile Marinetechnik wurde ausgegliedert, zivile Produkte wie das Satellitentelefon wurden eingestellt ... dass es nur noch kleine Nischen gibt es, in denen bei STN Atlas zivile Produkte erstellt werden. (Michael Ahlmann: Rüstungsproduktion und Konversion im Unternehmen unter sich verändernden Rahmenbedingungen, in: International Restructuring and Conversion of the Arms Industries and the Military Sector vom April 2001, S.364/365)

Und die Geschäftsführung zeigt wenig Interesse an Konversion trotz umfangreicher Unterstützung. STN erhielt 37,5 Prozent der in Bremen seit 1992 ausgewiesenen Konversionsmittel (Jörg Huffschmid, März 1999 kursiv). Mario Gabrielli sagte auf der internationalen Konversionstagung im April 2001 in Bremen mit aller Deutlichkeit: „Im Falle der Konversion müssten wir uns parallel dem Technologie- und dem Marktrisiko aussetzen.“ (Gabrielli, Mario in: Sicherheitspolitische Perspektiven und ihre industrie- und unternehmspolitischen Folgen aus Sicht der Rheinmetall DeTec AG aus: International Restructuring and Conversion of the Arms Industries and the Military Sector vom April 2001, S.361) „Wir würden zivile Märkte, wenn wir sie denn fänden, nicht in der Qualität bearbeiten können, wie den militärischen Markt.“ (ebd. S. 360) „Wir verstehen uns im Umgang mit öffentlichen Auftraggebern, die in anderen Entscheidungsstrukturen und Zeitdimensionen denken. Das gilt weltweit.“ (ebd.)

„Rüstungskonversion in Bremen ist für die Beschäftigten keine Erfolgstory, sondern ein mutiger Versuch mit einem traurigen Ende“ so Michael Ahlmann (Michael Ahlmann: Rüstungsproduktion und Konversion im Unternehmen unter sich verändernden Rahmenbedingungen, ebd. S.364/365) Und: „Das Wort Konversion taucht nicht mehr im Haushalt des Landes Bremen auf.“ (ebd.) „Konzentration auf das Kerngeschäft ist die Devise, da haben – zumindest in Bremen bei der STN Atlas- zivile Produkte keine große Chance.“ So noch einmal Michael Ahlmann. Und das trotz umfangreicher Konversionsgelder und Projekte. STN erhielt etwa ein Drittel der in Bremen ausgewiesenen Konversionsmittel.

Aufspaltung zur Neugründung

STN ist mit seiner fast 100%igen Rüstungsproduktion umsatzstark. Dennoch profitieren die Arbeitnehmer davon wenig. Laut Betriebsrat Ahlmann steigert die Unternehmensleitung den Arbeitsdruck durch „freiwillig erzwungene“ Mehrarbeit sichtlich. Anfang der 90-iger Jahre hatte STN noch über 6.500 Beschäftigte. Im Zuge der Fusion von Systemtechnik Nord und Atlas Elektronik, ebenso nach der Herauslösung von STN aus dem Vulkanverbund baute die Firmenleitung immer mehr Arbeitsplätze ab.

Im Dezember 2002 wurden Pläne zur Aufspaltung von STN bekannt. Den größten Bremer Rüstungsbetrieb mit derzeit etwa 3000 Beschäftigten dürfte es - so wie es im Augenblick aussieht - ab August 2003 nicht mehr geben. Zukünftig sollen zwei Betriebe - Rheinmetall Defense Elektronik (RH) und Altlas Elektronik (BAE Systems) - am Standort Bremen - Sebaldsbrück in Bremen mit jeweils 1500 Arbeitnehmern wirken.

Den Bereich Marine (Naval Systems) plus Fertigung übernimmt BAE Systems. Die Land- und Flugsysteme, Feuerleittechnik sowie die Simulation sollen bei der Rheinmetall AG über ihre Tochter DeTec bleiben.

Ziel der Umstrukturierung ist laut Unternehmerseite die langfristige Sicherung der Firmenbereiche. Bei Zerstückelung in zwei gleiche Teile würde der Konzern die Steuerzahlung für die Umstrukturierung vermeiden. Eine erhebliche Summe, auf die das Land Bremen verzichten müsste. Ob damit auch die Arbeitsplätze längerfristig gesichert werden? Auch wenn die Unternehmerseite zusicherte, keine Stellen abzubauen, ist es beispielsweise möglich, dass künftig überzählige Arbeitsplätze im Bereich der Flugabwehr entstehen, da andere Rheinmetall-Töchter dies abdecken. (siehe auch Weser Kurier vom 5.12.2002).

Derzeit sind 1050 Mitarbeiter bei Naval Systems, 700 bei Land- und Flugsystemen, 500 bei Simulationssystemen, 500 in der Produktion und 350 in der Zentrale beschäftigt. Der Betriebsrat hat sich gegen die Aufspaltung ausgesprochen. Nicht nur wegen drohender Arbeitsplatzverluste, sondern auch, weil die Spaltung als solche Geld kostet. Die Arbeit kann nicht mehr wie vorher gleichmäßig im Betrieb verteilt werden, und ein Wasserkopf in der Verwaltung entsteht, befürchtet die Arbeitnehmerseite.

Der einzige in Teilen zivile Bereich von STN ist die Sparte Simulation, mit Ausbildungssimulatoren für die Handelsschifffahrt und Seeverkehrslenkungs- und –kontrollsystemen. Die Herstellung von Simulatoren ist ein Dual-Use-Bereich, das heißt zivil und militärisch zu nutzen, zum Beispiel für den Eurofighter, Kampfpanzer und das Gefechtsübungszentrum des Heeres in der Altmark. Nach einem Bericht des Weser Kurier vom 7.12. 2002 befürchtet der Betriebsrat, dass den Verlauf des letzten zivilen Bereiches nach der Aufspaltung.

Perspektiven bei STN

Die Zukunftskonzepte der beiden Unternehmen scheinen nicht überein zu stimmen. Rheinmetall steht für die Heerestechnik mit einer Konzentration auf die Panzer, von der Entwicklung und Fertigung bis zum Export. Das Konzept lautete bisher: alles aus einer Hand, von der Kette über die Kanone bis zur Munition. Rheinmetall produziert für die so genannten „leichten“ Panzer, wie den Exportschlager „Fuchs“ (Spürpanzer) und den luftverladebaren „Wiesel“. Einziger nationaler Konkurrent ist Krauss-Maffei mit dem Kampfpanzer „Leopard“ . Rheinmetall will den europäischen Markt beherrschen. Zumal die Zeit der schweren Kampfpanzer vorbei ist.

Rheinmetall übernimmt bei STN die heerestechnische Elektronik, damit die Drohnen, Feuerleittechnik plus Optronik???, die gesamte Simulation, die Luftaufklärung und das Airbus- Frachtladesystem.

BAE Systems verfolgt dagegen eine andere Ausrichtung mit der Konzentration auf den Bereich Marineelektronik. Bei BAE Systems bleibt die U-Boot-Elektronik, das modernste Minenjagdsystem der Welt, und damit die Torpedos. Zukünftig wird BAE Systems für Rheinmetall die Fertigung übernehmen.

Aktuell dürfte es nicht leicht fallen, die einzelnen Bereiche exakt zu teilen.

Schlussbemerkung:

Bremen bleibt rüstungsabhängig. Aber auch die Vorzeigedrohnen sichern nicht zwangsläufig die Arbeitsplätze in der Rüstungsproduktion. Eine Ausweitung des Exportes ist ohne finanzielle Unterstützung der Empfängerländer durch beispielsweise Hermes- Kreditbürgschaften seitens der Bundesregierung oder anderen Kompensationen kaum vorstellbar.

Mehr als 10.000 Präzisionswaffen setzte die US-Armee im Irak-Krieg ein. Sie müssen ersetzt werden. Sie werden wieder neu produziert. Ohne Waffen kein neuer Krieg. Ein solches Szenario lässt sich mit wenig Phantasie auf die deutsche Rüstungsproduktion und damit auch auf Bremen übertragen. Elektronische Komponenten und Kriegsführung gewinnen kriegsentscheidende Bedeutung im 21. Jahrhundert, aber eine friedensfördernde Perspektive ist dies nicht.

Andrea Kolling, Bremen im Mai 2003

 

Im Internet präsentiert sich STN als exportorientiertes Unternehmen mit Lieferungen an folgende Länder außerhalb von NATO, NATO gleichgestellten Ländern und EU: Ägypten, Argentinien, Brasilien, Chile, China (Vessel Traffic Service-Systeme), Ecuador, Indien, Indonesien, Israel, Kolumbien (Sonarsysteme für Überwasserschiffe), Kroatien, Lettland, Litauen, Malaysia, Oman (Schießsimulatoren), Pakistan, Peru, Singapur, Südafrika, Südkorea, Taiwan, Thailand, Ukraine, Venezuela meistens Systeme für U-Boote.

An NATO und EU: Australien, USA (u.a. Seafox) Belgien, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Spanien ,Türkei