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"Atlas"-Verkauf jetzt perfekt
Bremen taz "ThyssenKrupp Technologies" und EADS haben gestern den
Kaufvertrag für den Bremer U-Boot-Ausrüster "Atlas Elektronik"
unterzeichnet. Für insgesamt 217 Millionen Euro übernehmen sie das 1.750
MitarbeiterInnen zählende Unternehmen, das außer in Bremen auch in Wedel
produziert. Dem Vernehmen nach hatte der französische Rüstungsriese "Thales"
ein höheres Angebot gemacht, die Bundesregierung habe wegen der "strategischen Bedeutung" von "Atlas" auf eine deutsche Übernahme bestanden.
Bremens Wirtschaftssenator Jörg Kastendiek begrüßte den Verkauf, weil
Thyssen-Krupp versprochen habe, weitere Marine-Elektronik-Aktivitäten in
Bremen zu konzentrieren. Der Konzern bestritt bisher bereits 60 Prozent des
Auftragsvolumens von "Atlas".
taz Bremen Nr. 7859 vom 31.12.2005, Seite 25, 28 Zeilen (TAZ-Bericht)
ThyssenKrupp und EADS kaufen Marine-Ausrüster Atlas
Fr Dez 30, 2005 5:02 MEZ10
München (Reuters) - Der Bremer Elektronik-Ausrüster Atlas Elektronik kommt
wieder mehrheitlich in deutsche Hände und soll eine Keimzelle der
Konsolidierung der europäischen Marineindustrie werden.
Ein Konsortium aus ThyssenKrupp und EADS kauft Atlas Elektronik für 145
Millionen Euro in bar von der britischen BAe Systems, wie der deutsche
Mischkonzern und der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern am Freitag
gemeinsam mitteilten. Zusätzlich übernehmen sie Pensionsverpflich-tungen im
Volumen von 72 Millionen Euro. Der Vereinbarung zufolge wird ThyssenKrupp 60
Prozent der Anteile halten, der Rest liegt bei EADS. Die ebenfalls an der
Tochter von BAe interessierte französische Thales hat das Nachsehen, obwohl
sie Medienberichten zufolge mehr für Atlas geboten hatte.
"Beide Unternehmen werden mit Atlas Elektronik ihre Kompetenz sowohl im
Plattform- als auch im Elektronik- und Systemgeschäft im Marinebereich
bündeln", erklärten EADS und ThyssenKrupp Technologies. Atlas ist ein
wichtiger Zulieferer für die Schiffbausparte von ThyssenKrupp. Die
Transaktion stärke den Standort Bremen und sichere Arbeitsplätze sowie
Know-How in Deutschland. Atlas Elektronik beschäftigt rund 1750 Mitarbeiter
und bietet Systeme für Seestreitkräfte an, etwa Sonargeräte für U-Boote.
2004 hatte Atlas bei 292 Millionen Euro Umsatz einen operativen Gewinn
(Ebit) von 9,3 Millionen Euro eingefahren.
Die Aufsichtsräte und die zuständigen Wettbewerbsbehörden müssen dem
Besitzerwechsel noch zustimmen.
THALES: HISTORISCHE CHANCE VERPASST
Der Zuschlag für ThyssenKrupp und EADS war erwartet worden, obwohl Thales
vehement sein Interesse angemeldet hatte. Thales erklärte am Freitag, mit
dem Verkauf an EADS und ThyssenKrupp sei eine historische Chance für die
Marineindustrie in Europa verpasst worden. Die Franzosen erklärte aber, mit
beiden Firmen zusammenarbeiten zu wollen.
In den Verkaufsprozess hatte sich auch die Bundesregierung eingeschaltet und
sich gegen den Verkauf deutscher Technologie ins Ausland stark gemacht. Das
verschärfte Außenwirtschaftsgesetz gibt der Regierung für diesen Fall ein
Vetorecht. Der neue Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) begrüßte
die Einigung: "Die Integration von Atlas in den Verbund der
ThyssenKrupp-Marinewerften und EADS bildet eine hervorragende Grundlage für
einen europäischen Zusammen-schluss der Marineindustrie, den wir politisch
anstreben."
"MARINE-EADS" ANGEPEILT
ThyssenKrupp hatte mit der Übernahme des Werftenkonzerns HDW 2004 die
Konsolidierung der Branche eingeleitet. Die ebenfalls in der
Schiffselektronik tätige EADS soll die Kompetenzen von Atlas nun erweitern.
Die drei Unternehmen erhoffen sich davon bessere Exportmöglichkeiten. "Wir
leisten mit diesem Schritt einen wesentlichen Beitrag zur Konsolidierung des
deutschen Marine-Systemgeschäfts", erklärte Stefan Zoller, der Leiter der
EADS-Sparte Verteidigungs- und Sicherheitssysteme.
Die europäische Schiffbauindustrie ist im Vergleich zur amerikanischen
Konkurrenz stark zersplittert. Einige Politiker streben eine Art "Marine-EADS" an, in der nach dem Vorbild des deutsch-französisch-spanischen
Luft- und Raumfahrtkonzerns die italienische Fincantieri, die spanische
Navantia und VT aus Großbritannien aufgehen könnten. Thales hatte kürzlich
25 Prozent an dem französischen Schiffbauer DCN gekauft und dies ebenfalls
als Schritt zur Bereinigung der Branche gewertet.
Mehrheit geht an ThyssenKrupp Atlas-Übernahme unterzeichnet
BREMEN. ThyssenKrupp und EADS haben gestern - wie berichtet - den Vertrag
zur Übernahme der Bremer Atlas Elektronik GmbH unterzeichnet. Gemäß Vertrag
wird ThyssenKrupp 60, EADS 40 Prozent an Atlas halten, wie die beiden Käufer
gestern bekannt gaben.Nach Mitteilung der bisherigen Eigentümerin, der
britischen BAE Systems, wurde ein Kaufpreis von 145 Millionen Euro
vereinbart. Allerdings dürfte der tatsächliche Kaufpreis doch - wie zuvor in
dieser Zeitung berichtet - bei 250 Millionen Euro liegen: Die Differenz
erklärt sich nach Angaben Beteiligter aus der Anrechnung von
Pensionsverpflichtungen in Höhe von 72,4 Millionen Euro, aus
Risikoübernahmen sowie aus rechnerischen Unterschieden zwischen Sach- und
Ertragswertbetrachtung.Mit 1750 Mitarbeitern ist Atlas spezialisiert auf
Systeme für Seestreitkräfte sowie für U-Boote und Über-wasserschiffe. Die Übernahme werde Atlas erheblich stärken, erklärten ThyssenKrupp und EADS
gestern. Das so geschaffene "Maritime Electronics House" profitiere von den
neuen Muttergesell-schaften, woraus sich neue Export-Perspektiven ergäben.
Olaf Berlien, Vorstandsvorsitzender von ThyssenKrupp, wertete den Kauf als"Fortsetzung der mit dem Zusammenschluss von ThyssenKrupp-Werften und HDW
begonnenen Konsolidierung der deutschen Marineindustrie".
Bremer Tageszeitungen, 31. Dezember 2005, Wirtschaft, Seite 23