Rüstungsbetriebe in Bremen
05. Januar 2011Wikileaks enthüllt Bremer Spionage-Satelliten-Pläne
Am 3. Januar setzte Spiegel-online seine Auswahl aus den Wikileaks-Dokumenten mit einer auch für Bremen interessanten Enthüllung fort. HIROS (High Resolution Optical System) - so soll ein neues Beobachtungs-System, bestehend aus sechs Satelliten, heißen, das ab 2014 besonders hoch auflösende Bilder zur Erde senden soll. Die Fotos sollen noch Objekte von 50 cm Größe erkennbar machen und wesentlich schneller auf der Erde zur Verfügung stehen als bisher üblich. Auch Infrarot-Technik für die Beobachtung während der Dunkelheit soll möglich sein. Und: laut den Depeschen der amerikanischen Botschaft soll das System mehrere hundert Millionen Euro kosten.Offiziell wird das Beobachtungssystem in den US-Depeschen als zivil deklariert. Man kennt das. Es soll natürlich Umweltzwecken dienen. Kontrolliert werden soll es ausschließlich vom deutschen Bundesnachrichtendienst. Berichtet wird weiter, dass HIROS ein "logischer, mit niedrigem Risiko behafteter nächster Schritt ist, seine nationale Weltraum-Aufklärungsarchitektur auszubauen", heißt es in einer Depesche der US-Botschaft in Berlin vom 12. Februar 2009. Die Deutschen hätten zuletzt "beeindruckende Fortschritte" bei der Sammlung von Radar-Satellitendaten gemacht, insbesondere dank des "SAR-Lupe"-Systems.
Der Hinweis auf die äußerst avancierte Weltraum-Beobachtungs-Technologie zielt auf das Bremer Unternehmen OHB (Orbitale Hochtechnologie Bremen) mit Sitz in der Universitätsallee. Es könnte Hauptauftragnehmer werden, heißt es. Laut Spiegel-online habe OHB schon bestätigt, dass es an den Angebotsunterlagen arbeite. Die Finanzierung sei allerdings noch unklar.
Die Stuttgarter Nachrichten von heute (5. Januar) ergänzen die Angaben von Spiegel-online. Danach sind von der norwegischen Zeitung "Aftenposten" acht als "vertraulich" oder sogar "geheim" gekennzeichneten Depeschen der US-amerikanischen Botschaft (welcher?) veröffentlicht worden. Außerdem, so die Stuttgarter Nachrichten, sei das HIROS-Projekt nicht so neu und nicht so geheim. Beim letzten Treffen zur "Photogrammetischen Woche" im September 2009 an der Universität Stuttgart habe Andreas Eckardt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) darüber schon folgendes berichtet: es handele sich um System aus drei Satelliten, welche die Erdoberfläche aus rund 500 bis 700 Kilometern Höhe so fotografieren können, dass Objekte von 50 cm Größe erkennbar sind. Das System soll dabei so flexibel sein, dass jede Region der Welt innerhalb 24 Stunden fotografiert werden könne; für einen kompletten 3-D-Scan Deutschlands würden die Satelliten drei bis fünf Tage benötigen. Das HIROS-Projekt wäre "dual-use-Technologie", was heißen soll, dass es für zivile und militärische Zwecke nutzbar ist.
Offenbar geht es in dem Projekt auch um deutsch-französische Konkurrenzen in der Weltraum-Technologie. Der BND, das DLR und die Firma EADS Astrium wären der Meinung, so zitieren die Stuttgarter Nachrichten aus den US-Depeschen weiter, "dass eine strategische US-deutsche Kooperation im Projekt 'HIROS' der französischen Konkurrenz etwas entgegensetzen könnte".
Der Spiegel (wie New York Times, Guardian, El Pais, Le Monde) verfügen bekanntlich über die gesamten rd. 250.000 Wikileaks-Dokumente. Sie veröffentlichen daraus aber nur tröpfchenweise einzelne Botschaftsdepeschen, wobei auch nur unvollständige Angaben gemacht werden. Welche Depeschen das sind, von welcher Botschaft sie stammen, auch teilweise wann sie veröffentlicht wurden, was mit der Veröffentlichung jeweils bezweckt wird und welche nicht veröffentlicht werden, das ist Bestandteil der Verlagsstrategie. Die norwegische "Aftenposten" hat sich die Wikileaks-Dokumente auf andere Art verschafft und zuerst die Dokumente über HIROS veröffentlicht und auch darauf verzichtet, die Namen von Beteiligten unkenntlich zu machen.
Sönke Hundt
Die Original-Depesche (engl.) finden Sie hierQuelle:
Die Linke"Atlas"-Verkauf jetzt perfekt
Bremen, taz. "ThyssenKrupp Technologies" und EADS haben gestern den Kaufvertrag für den Bremer U-Boot-Ausrüster "Atlas Elektronik" unterzeichnet. Für insgesamt 217 Millionen Euro übernehmen sie das 1.750 MitarbeiterInnen zählende Unternehmen, das außer in Bremen auch in Wedel produziert. Dem Vernehmen nach hatte der französische Rüstungsriese "Thales" ein höheres Angebot gemacht, die Bundesregierung habe wegen der "strategischen Bedeutung" von "Atlas" auf eine deutsche Übernahme bestanden.Bremens Wirtschaftssenator Jörg Kastendiek begrüßte den Verkauf, weil Thyssen-Krupp versprochen habe, weitere Marine-Elektronik-Aktivitäten in Bremen zu konzentrieren. Der Konzern bestritt bisher bereits 60 Prozent des Auftragsvolumens von "Atlas".
taz Bremen Nr. 7859 vom 31.12.2005, Seite 25, 28 Zeilen (TAZ-Bericht)
ThyssenKrupp und EADS kaufen Marine-Ausrüster Atlas
Fr Dez 30, 2005 5:02 MEZ10München (Reuters) - Der Bremer Elektronik-Ausrüster Atlas Elektronik kommt wieder mehrheitlich in deutsche Hände und soll eine Keimzelle der Konsolidierung der europäischen Marineindustrie werden.
Ein Konsortium aus ThyssenKrupp und EADS kauft Atlas Elektronik für 145 Millionen Euro in bar von der britischen BAe Systems, wie der deutsche Mischkonzern und der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern am Freitag gemeinsam mitteilten. Zusätzlich übernehmen sie Pensionsverpflich-tungen im Volumen von 72 Millionen Euro. Der Vereinbarung zufolge wird ThyssenKrupp 60 Prozent der Anteile halten, der Rest liegt bei EADS. Die ebenfalls an der Tochter von BAe interessierte französische Thales hat das Nachsehen, obwohl sie Medienberichten zufolge mehr für Atlas geboten hatte.
"Beide Unternehmen werden mit Atlas Elektronik ihre Kompetenz sowohl im Plattform- als auch im Elektronik- und Systemgeschäft im Marinebereich bündeln", erklärten EADS und ThyssenKrupp Technologies. Atlas ist ein wichtiger Zulieferer für die Schiffbausparte von ThyssenKrupp. Die Transaktion stärke den Standort Bremen und sichere Arbeitsplätze sowie Know-How in Deutschland. Atlas Elektronik beschäftigt rund 1750 Mitarbeiter und bietet Systeme für Seestreitkräfte an, etwa Sonargeräte für U-Boote. 2004 hatte Atlas bei 292 Millionen Euro Umsatz einen operativen Gewinn (Ebit) von 9,3 Millionen Euro eingefahren.
Die Aufsichtsräte und die zuständigen Wettbewerbsbehörden müssen dem Besitzerwechsel noch zustimmen.
THALES: HISTORISCHE CHANCE VERPASST
Der Zuschlag für ThyssenKrupp und EADS war erwartet worden, obwohl Thales vehement sein Interesse angemeldet hatte. Thales erklärte am Freitag, mit dem Verkauf an EADS und ThyssenKrupp sei eine historische Chance für die Marineindustrie in Europa verpasst worden. Die Franzosen erklärte aber, mit beiden Firmen zusammenarbeiten zu wollen.
In den Verkaufsprozess hatte sich auch die Bundesregierung eingeschaltet und sich gegen den Verkauf deutscher Technologie ins Ausland stark gemacht. Das verschärfte Außenwirtschaftsgesetz gibt der Regierung für diesen Fall ein Vetorecht. Der neue Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) begrüßte die Einigung: "Die Integration von Atlas in den Verbund der ThyssenKrupp-Marinewerften und EADS bildet eine hervorragende Grundlage für einen europäischen Zusammen-schluss der Marineindustrie, den wir politisch anstreben."
"MARINE-EADS" ANGEPEILT
ThyssenKrupp hatte mit der Übernahme des Werftenkonzerns HDW 2004 die Konsolidierung der Branche eingeleitet. Die ebenfalls in der Schiffselektronik tätige EADS soll die Kompetenzen von Atlas nun erweitern. Die drei Unternehmen erhoffen sich davon bessere Exportmöglichkeiten. "Wir
leisten mit diesem Schritt einen wesentlichen Beitrag zur Konsolidierung des deutschen Marine-Systemgeschäfts", erklärte Stefan Zoller, der Leiter der EADS-Sparte Verteidigungs- und Sicherheitssysteme.
Die europäische Schiffbauindustrie ist im Vergleich zur amerikanischen Konkurrenz stark zersplittert. Einige Politiker streben eine Art "Marine-EADS" an, in der nach dem Vorbild des deutsch-französisch-spanischen Luft- und Raumfahrtkonzerns die italienische Fincantieri, die spanische Navantia und VT aus Großbritannien aufgehen könnten. Thales hatte kürzlich 25 Prozent an dem französischen Schiffbauer DCN gekauft und dies ebenfalls als Schritt zur Bereinigung der Branche gewertet.
Mehrheit geht an ThyssenKrupp Atlas-Übernahme unterzeichnet
BREMEN. ThyssenKrupp und EADS haben gestern - wie berichtet - den Vertrag zur Übernahme der Bremer Atlas Elektronik GmbH unterzeichnet. Gemäß Vertrag wird ThyssenKrupp 60, EADS 40 Prozent an Atlas halten, wie die beiden Käufer gestern bekannt gaben.Nach Mitteilung der bisherigen Eigentümerin, der britischen BAE Systems, wurde ein Kaufpreis von 145 Millionen Eurovereinbart. Allerdings dürfte der tatsächliche Kaufpreis doch - wie zuvor in dieser Zeitung berichtet - bei 250 Millionen Euro liegen: Die Differenz erklärt sich nach Angaben Beteiligter aus der Anrechnung von Pensionsverpflichtungen in Höhe von 72,4 Millionen Euro, aus Risikoübernahmen sowie aus rechnerischen Unterschieden zwischen Sach- und Ertragswertbetrachtung.Mit 1750 Mitarbeitern ist Atlas spezialisiert auf Systeme für Seestreitkräfte sowie für U-Boote und Über-wasserschiffe. Die Übernahme werde Atlas erheblich stärken, erklärten ThyssenKrupp und EADS gestern. Das so geschaffene "Maritime Electronics House" profitiere von den neuen Muttergesell-schaften, woraus sich neue Export-Perspektiven ergäben. Olaf Berlien, Vorstandsvorsitzender von ThyssenKrupp, wertete den Kauf als"Fortsetzung der mit dem Zusammenschluss von ThyssenKrupp-Werften und HDW begonnenen Konsolidierung der deutschen Marineindustrie".
Bremer Tageszeitungen, 31. Dezember 2005, Wirtschaft, Seite 23
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